Gutachter:innen bei der AiF: „Ohne funktioniert es nicht“

Unterschiedliche Forschungsthemen aus nahezu jedem Technologiefeld und jeder Branche gibt es in der Industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF) zuhauf. Eines aber haben alle lGF-Vorhaben gemeinsam: Ohne die rund 200 ehrenamtlichen Gutachter:innen käme kein einziges Projekt in Gang.

Gutachter:in wird man durch Empfehlung – alle drei Jahre wird neu gewählt und im Herbst 2021 ist es wieder so weit. Dabei kommen die Vorschläge von den Mitgliedern der AiF, also von den rund 100 Forschungsvereinigungen und aus dem Kreis der Mitglieder des Wissenschaftlichen Rats der AiF. Gewählt wird durch Briefwahl – nicht nur in Pandemiezeiten – und wählen darf nur, wer auch Kandidat:innen vorgeschlagen hat. Neben den gewählten Gutachter:innen, die nach ihrer Wahl vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) bestätigt werden müssen, stehen der AiF etwa 300 Sonderfachgutachter:innen zur Verfügung. Diese können in Einzelfällen helfen, um Stellungnahmen der Gutachter:innen zu Projektanträgen in einem spezialisierten Fachbereich zu ergänzen.

Gutachter:innenwahlen 2021: Die Nominierungsphase beginnt bald

Mitte Juni beginnt die erste Phase des zweistufigen Prozesses: Zunächst werden alle Berechtigten um die Nominierung fachlich geeigneter Kandidat:innen gebeten. Die zweite Phase, die eigentliche Wahlphase, startet dann im Oktober. „Die Nominierungsphase ist mindestens ebenso wichtig wie die Wahl selbst“, erklärt Volker Richstein, verantwortlich für das AiF-Gutachterwesen. „So kann beispielsweise das erklärte Ziel nach einem höheren Anteil an Gutachterinnen in den Gutachtergruppen nur erreicht werden, wenn in dieser Phase von den Vorschlagsberechtigten entsprechende weibliche Persönlichkeiten nominiert werden.“

Laut Vertrag mit der Bundesrepublik Deutschland gewährleistet die AiF eine qualifizierte Evaluierung von Projekten, die im Rahmen der IGF vom BMWi gefördert werden sollen. Damit nur jene Projektideen zur Förderung kommen, die die hohen Anforderungen der Qualitätskriterien der IGF erfüllen, braucht es ein transparentes, gerechtes System; getragen von Spezialist:innen, die in der Lage sind, unabhängig und mit Sachverstand die Erfolgsaussichten der Projektvorschläge zu prüfen. Kurzum: Ohne die AiF-Gutachter:innen funktioniert es nicht.

Wissenschaftliche Exzellenz und wirtschaftlicher Nutzen

In IGF-Projekten werden stets wissenschaftliche Themenstellungen adressiert, die zur späteren Anwendung in der Wirtschaft geeignet sein müssen. Bei der Antragsbeurteilung müssen deshalb beide Aspekte berücksichtigt werden: der wissenschaftliche Gehalt der Projektidee und die Anwendbarkeit der Ergebnisse in der Industrie. Deshalb bedarf es auch fachlich ausgewiesener Expert:innen aus beiden Welten, namentlich erfahrene Wissenschaftler:innen von Universitäten und anderen renommierten Forschungseinrichtungen einerseits sowie versierte Vertreter:innen von innovativen Unternehmen andererseits. Diese paritätische Besetzung der Gutachtergruppen ist das Alleinstellungsmerkmal gegenüber anderen Begutachtungssystemen und garantiert den zielgerichteten Einsatz der Fördergelder.

Unterschiedliche Branchen erfordern Expert:innen aus unterschiedlichen Bereichen

Nicht jede und jeder kann gleichsam auf allen wissenschaftlichen Gebieten Profi sein und Expert:innenwissen vorweisen. Da in der IGF Themen jedweder Branche gefördert werden, müssen auch Gutachter:innen aus allen Branchen gehört werden. Seit Mitte der 1960er Jahre gibt es daher verschiedene, fachlich differenzierte Gutachtergruppen unter dem Dach der AiF. Zweimal im Jahr trifft sich jede Gruppe, um über IGF-Anträge zu beraten und zu entscheiden, ob diese zur Förderung durch das BMWi empfohlen werden. Moderiert werden die Treffen von gruppenintern gewählten Leiter:innen.

Das Auswahlverfahren ist ein klassisches Peer Review-Verfahren zur Qualitätssicherung: Gleichrangige beurteilen Gleiche, weil sie Gleiches wissen und die Ideen am besten einschätzen können. Wie bei nahezu allen Vergabeverfahren für Drittmittelgelder befinden sich unter den Gutachter:innen solche, deren Institution oder Arbeitsgruppe in anderen Fällen selbst Zuwendungsempfänger sind. Daher sind die Transparenz des Verfahrens und die Integrität der Beteiligten immens wichtig. „Beides ist bei der AiF garantiert“, so Richstein. „Unsere Expertinnen und Experten verpflichten sich zur Einhaltung des Verhaltenskodex sowie der Regeln zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis. Die Namen der Mitglieder der AiF-Gutachtergruppen  sind auf der AiF-Website einsehbar.“

„Wiederholungstäter:innen“ aus Überzeugung

„Ich habe aus Überzeugung zugesagt.“ Dr. Ragnar Warnecke, GKS-Gemeinschaftskraftwerk Schweinfurt GmbH; AiF-Gutachter seit 2003

Manche Mitglieder sind über viele Jahre engagiert und stehen über mehrere Amtszeiten zur Verfügung. Dabei macht die Tätigkeit, wie jedes Ehrenamt, nicht wenig Arbeit und kostet private Zeit.

„Natürlich fühlt man sich auch geschmeichelt und als Experte wahrgenommen, wenn man als Gutachter angefragt wird“, sagt Dr. Ragnar Warnecke von der GKS-Gemeinschaftskraftwerk Schweinfurt GmbH. „Ich habe aus Überzeugung zugesagt und bin mit Respekt in eine Gruppe gestandener Persönlichkeiten hineingewachsen.“  Der Ingenieur empfindet seine Gutachtertätigkeit als überaus sinnvoll. Und ergänzt: „Mir macht dieses Ehrenamt Spaß. Sicherlich hat das damit zu tun, dass man ständig mit neuen Ideen zu tun hat, die einen selbst erstaunen. Manchmal zeigen sich verbindende Elemente mit Angehörigen anderer Industriezweige. Dann erkennt man: Die haben ganz ähnliche Probleme!“

Zumeist versammeln sich in den Gutachterguppen Menschen, die selbst innovativ denken, innovative Ideen umsetzen und Interesse an Forschung haben. „In meinen bislang 18 AiF-Gutachterjahren habe ich bei meiner ehrenamtlichen Arbeit viele kompetente Menschen kennengelernt; daraus haben sich einige fachlich wertvolle Netzwerke entwickelt“, resümiert Warnecke.

Ein Ehrenamt kostet Zeit…

 „Sicher, ein Ehrenamt kostet Zeit. Die setze ich hier jedoch sehr bereitwillig ein, weil ich es schätze, wie Forschungsförderung in Deutschland betrieben wird.“ Prof. Kirsten Bobzin, RWTH Aachen, seit 2005 im AiF-Gutachterwesen engagiert.

Prof. Kirsten Bobzin vom Institut für Oberflächentechnik im Maschinenbau an der RWTH Aachen ist seit fast 20 Jahren für die AiF und andere Institutionen, unter anderem für das BMWi und das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), für die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und für verschiedene Landesprogramme als Gutachterin tätig. Sie sieht ihre Aktivitäten im Rahmen des AiF-Gutachterwesens ähnlich wie der Kollege aus der Wirtschaft und engagiert sich mit Leidenschaft, „da ich die IGF für ein gelungenes Instrument der Forschungsförderung halte“.  Für Bobzin ist die paritätische Besetzung von Expert:innen aus Industrie und Forschung der Schlüssel für eine faire, verantwortungsvolle und fundierte Entscheidung im Begutachtungsprozess. „Der Austausch ist für beide Seiten wesentlich“, so die Maschinenbauingenieurin. Ihre Expertise im Rahmen der IGF-Begutachtungen einzubringen, ist für Bobzin auch aus anderen Gründen von Bedeutung. „Die AiF steht für eine Besonderheit in Deutschland, die ich wesentlich finde: Sie ermöglicht Forschungsprojekte in Kooperation mit mittelständischen Betrieben. Bei dieser Art der Forschung werden auch die Bedürfnisse der Unternehmen wahrgenommen und das ist für die Qualifizierung von jungen Menschen essentiell. Durch die gemeinsame Arbeit wissen wir ganz genau, welche Kompetenzen für die Realisierung der anstehenden Entwicklungen und Innovationen gebraucht werden“, so die Professorin.

Fazit: Meistens macht es Spaß

Diejenigen, mit denen wir über ihr Ehrenamt im Rahmen des AiF-Gutachterwesens gesprochen haben, waren sich einig: Es ist sinnvoll, es macht Arbeit und meistens macht es Spaß. Eine klare Empfehlung für potenzielle Kandidat:innen!

An dieser Stelle noch ein Satz an alle aktiven und ehemaligen AiF-Gutachter:innen und Sonderfachgutachter:innen: Ohne Sie würde es nicht funktionieren; wir wissen Ihren Einsatz zu schätzen. Ein herzliches „Danke“ dafür!

Falls Sie mehr zum Thema Ehrenamt bei der AiF wissen möchten, empfehlen wir den AiF-Blogbeitrag vom April 2021 https://blog.aif.de/man-nimmt-viel-mit-ehrenamtliches-engagement-tut-allen-gut/

Evelyn Bargs-Stahl

Kleine Textkorrekturen 18.05.2021 (Julia Simons)

Foto: © PeopleImages / iStock.com

 

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