leere Fabrikhalle.

Innovation muss sein

Die COVID-19-Pandemie belastet Unternehmen nun seit fast einem Jahr schwer. Laut KfW kostet Corona den Mittelstand voraussichtlich mehr Investitionen als die Finanzkrise 2009, denn dass der Mittelstand ganz besonders heftig von den Auswirkungen der aktuellen Krise betroffen ist, zeigte sich schon im Frühjahr 2020, als die Pandemie gerade erst begonnen hatte.

„Zwar werden die Folgen der Pandemie für Unternehmen in Deutschland durch den billionenschweren Schutzschirm der Bundesregierung mit unterschiedlichsten Maßnahmen abgefedert. Doch aus vergangenen Krisen wissen wir, dass es jetzt darauf ankommt, die mittelständischen Unternehmen gezielt in ihrer Innovationsaktivität zu unterstützen.“ (AiF-Präsident Professor Sebastian Bauer im Mai 2020)

Laut einer gemeinsamen Analyse des Austrian Institute of Technology (AIT) und des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) kommen innovative Unternehmen besser durch Krisenzeiten: Unternehmen, die ihre Innovationsaktivitäten entgegen der konjunkturellen Entwicklung in der Finanzkrise 2008/2009 antizyklisch erhöht haben, konnten die Auswirkungen der damaligen Rezession wesentlich besser überwinden.

Bedenklich scheint in diesem Zusammenhang ein Ergebnis einer im Oktober und November 2020 durchgeführten Erhebung des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI): Auf die Frage nach den für 2021 geplante Forschungsausgaben erklärten mehr als 25 Prozent der Befragten, sie planten diese Ausgaben im Vergleich zu 2019 zu reduzieren. Auch die KfW kommt im November 2020 zu dem Ergebnis, dass „die Auswirkungen der Corona-Krise ähnlich stark ausfallen wie die der Finanzkrise 2009. Damals sind die Investitionen im Mittelstand gegenüber dem Vorjahr um 16,1 Prozent zurückgegangen“.

In Einklang mit den Ergebnissen der oben genannten Analyse von AIT und ZEW betonen Martin Müller und Dr. Fritzi Köhler-Geib, beide KfW Research, im Oktober 2020, dass „deutsche Unternehmen dauerhaft innovativer werden müssen“. Auch der Präsident des Stifterverbands, Professor Andreas Barner, hält es für wichtig, „sich für die Realisierung von Innovation zu engagieren“. Forschung und Entwicklung begreift er als Investition in die Zukunft.

Wettbewerbsfähige Innovationen entstehen in deutschen Unternehmen häufig mit Hilfe bewährter Projektförderung des Bundes. Dazu gehören auch die themenoffenen Förderprogramme Industrielle Gemeinschaftsforschung (IGF) und das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) des Bundeswirtschaftsministeriums. Beide sind langjährig erprobt – die IGF gibt es seit den 1950er Jahren; das ZIM seit 2008 – und sehr effektiv. Der Projektförderung wird eine starke Hebelwirkung für Wettbewerbsfähigkeit und Innovationen aus Deutschland attestiert. Dass forschungsaktive Unternehmen sie für effektiv halten, zeigen die Antragszahlen in der aktuellen Krisenzeit: Im Vergleich zu 2019 stieg die Zahl der IGF-Projektanträge im Pandemie-Jahr 2020 um rund 25 Prozent. Dass die IGF-Ergebnisse auch die Politik überzeugen, zeigt der Anstieg der IGF-Fördermittel auf 200 Millionen Euro für dieses Jahr.

Die IGF scheint ein Sprungbrett für junge Unternehmer:innen und Wissenschaftler:innen zu sein. Gleichzeitig bietet sie einen guten Nährboden für zukunftsweisende Themen: 2016 wurde Professor Chokri Cherif von der TU Dresden für seine Arbeiten zum neuen Werkstoff Textilbeton mit dem Zukunftspreis des Bundespräsidenten ausgezeichnet. Mit der Thematik des textilen Bauens und dem Werkstoff Textilbeton beschäftigen sich Dresdner Wissenschaftler schon seit 1993 – auch in der IGF. Cherif ist davon überzeugt, dass die IGF ganz maßgeblichen Anteil an dieser Erfolgsgeschichte hat.

„Die ganze Story hat mit einem IGF-Projekt begonnen. Vor über 20 Jahren wurden die Weichen für die Vision vom textilen Bauen in der Industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF) gestellt. Ohne die Unterstützung der AiF ständen wir heute im Bereich Carbonbeton nicht da, wo wir sind.“ (Professor Chokri Cherif, Direktor des ITM der TU Dresden)

Es gibt viele erfolgreiche IGF-Geschichten; die von Julian Krenge ist eine davon. Für ihn war die IGF das oben zitierte Sprungbrett in eine erfolgreiche Unternehmensgründung. Nachdem er mehrere Jahre als wissenschaftlicher Mitarbeiter in IGF-Projekten gearbeitet hatte, gründete er mit zwei Kollegen selbst ein Start-up. Das Münchner Unternehmen parcelLab begleitet Kunden mit einem Komplettpaket „Versand und Logistik“ durch den gesamten Versandprozess. Mit Erfolg, denn nach nur fünf Jahren beschäftigt parcelLab weltweit mehr als 100 Mitarbeiter:innen und bedient über 500 Kund:innen, verteilt über den ganzen Globus. Der IGF ist Krenge übrigens auch als Unternehmer treu geblieben.

Da geht noch mehr: Das InnovatorsNet

Jan Frederik Kremer, Geschäftsführer der AiF FTK GmbH, hat den Gedanken des „Sprungbretts IGF“ aufgenommen und ausgeweitet: Im InnovatorsNet der AiF-Tochter bringt er Innovatoren aus Wirtschaft und Wissenschaft, mit und ohne IGF-Erfahrung, zusammen. Hier können die Mitglieder von den Innovationsressourcen der AiF FTK GmbH profitieren und ihre Innovationskraft nachhaltig stärken.

Alle Mitglieder im InnovatorsNet werden von anerkannten und renommierten Experten:innen des weltweiten Innovationssystems unterstützt. Diese werden als Ambassadors berufen und bereichern das Netzwerk mit ihrer Erfahrung und ihren Verbindungen. Innovative Mittelständler, Start-ups und Forschungsstellen können sich auf eine Mitgliedschaft bewerben.

„Das InnovatorsNet ist für alle gemacht, die wissen, wie wichtig Innovationen für die eigene unternehmerische Zukunft sind und die das InnovatorsNet Mindset teilen.“ (Jan Frederik Kremer, Geschäftsführer der AiF FTK GmbH)

Durch das Netzwerk aus etablierten Unternehmen, Start-ups und Forschungseinrichtungen ergeben sich für alle Beteiligten immer wieder neue Chancen und Möglichkeiten, Teil von hochinnovativen Projekten und Ideen zu sein. So vernetzen Kremer und sein Team beispielsweise Start-ups und Mittelständler in konkreten Innovationsprojekten. Wer Lust hat auf einen kurzen Online-Webtalk mit Jan Frederik Kremer, der findet hier die nächsten Themen und Termine.

Noch mehr erfreuliche und ermutigende Fakten zur IGF, den Projekten und den Menschen, die dahinterstecken, finden Sie zukünftig in loser Folge hier im AiF Blog. Wir freuen uns, Sie hier wiederzutreffen. Bis dahin hinterlassen Sie uns gerne einen Kommentar!

Evelyn Bargs-Stahl

Foto Artikel-Header: © pixabay
Foto Prof. Cherif (Mitte im Text): © IMAGO / momentphoto/Killig

Teilen Sie diesen Artikel!