Mähen

„Man nimmt viel mit“ – Ehrenamtliches Engagement tut allen gut

Gerade jetzt vor dem Hintergrund der weltweiten Pandemie ist dieser Zusammenhalt besonders wichtig: Gelegenheiten, sich einzubringen, gibt es überall. Auch die Forschungsförderung in der Industriellen Gemeinschaftsforschung wäre ohne die zumeist ehrenamtlichen Mitglieder der Organe und Gremien der AiF nicht möglich: Allein die rund 200 Gutachter:innen leisten einen wesentlichen Teil, indem sie die Forschungsanträge und Schlussberichte der IGF-Projekte vertraulich und unparteiisch bewerten.

Auch unter den AiF-Mitarbeiter:innen sind viele „Ehrenamtliche“; einige davon kommen hier zu Wort; zum Beispiel Philipp Schnee, aus dem Bereich Kommunikation der AiF-Tochter AiF FTK GmbH.

Der Come-Together-Cup (CTC): Die Einen kommen wegen Fußball, die Anderen kommen trotzdem…

Philipp ist seit einigen Jahren beim Come-Together-Cup (CTC) dabei, einem großen Benefiz-Fußballturnier, das jährlich zur Verständigung zwischen homo- und heterosexuellen Menschen für Freizeitsportler veranstaltet wird. Der CTC findet auf insgesamt zwölf Fußballplätzen auf den Vorwiesen des RheinEnergieSTADIONs in Köln statt. Der Eintritt ist frei; neben dem sportlichen Wettkampf gibt es unter anderem einen Biergarten, einen Food-Court, Angebote für Kinder und ein abendliches Bühnenprogramm mit Live-Musik. Die Macher dahinter drücken es so aus: „Die Einen kommen eben wegen Fußball, die Anderen trotz Fußball“. Jürgen Roters, ehemaliger Oberbürgermeister der Stadt Köln, ist CTC-Schirmherr seit 1995; viele Prominente unterstützen das Turnier.

Philipp Schnee

Philipp Schnee ©AiF FTK GmbH

„Vor über 20 Jahren, 1995, fand der CTC zum ersten Mal statt. Damals ging es darum zu zeigen, dass es auch homosexuelle Fußballer gibt“, so Philipp. „Mir gefällt die Idee hinter dem Turnier: Jeder kann mitmachen, denn wir sind eine inklusive Gesellschaft und das wird hier ganz deutlich. Ich unterstütze die Organisatoren und packe an, wo es nötig ist. 2019 war ich beispielsweise am Grillstand aktiv. Wo meine Hilfe in diesem Jahr gebraucht wird, wird sich zeigen. Sicher ist: Ich werde wieder mit Freude dabei sein.“

Philipp hat allen Grund zur Freude, denn seine Arbeitgeberin, die AiF FTK GmbH, unterstützt ihn – und seine Kolleg:innen – bei seinem/ihrem ehrenamtlichen Engagement:

Individual Charity Budget und Social Day

Seit 2019 stellt die AiF-Tochter ihren Mitarbeiter:innen einen festen Betrag zur Verfügung, der von der AiF FTK GmbH im Namen der jeweiligen Kolleg:innen für soziale, ökologische oder gesellschaftliche Zwecke gespendet wird. Die gemeinnützigen Initiativen oder die Projekte, die sie persönlich unterstützenswert finden, wählen die Kolleg:innen selbst aus.  Paula Erlichman, Chief Operations Officer bei der AiF FTK GmbH, betont, dass „soziale Verantwortung für uns keine Belastung, sondern eine Selbstverständlichkeit ist. Deshalb gibt es neben dem beschriebenen Individual Charity Budget bei uns auch einen extra Tag Urlaub im Jahr, den so genannten Social Day, den jede/r von uns für ihr/sein individuelles ehrenamtliches Engagement nutzt.“ Wer wissen will, wen oder was die Kolleg:innen im Einzelnen unterstützen, findet mehr dazu auf der Website der AiF FTK GmbH.

Aktuelle Infos zum diesjährigen CTC am 26. Juni 2021 gibt es unter https://www.facebook.com/events/488401175900292 . Zur Website des CTC geht es hier: https://www.come-together-cup.de.

Das Bergwaldprojekt

Von den Wiesen am Rhein und dem CTC auf die hohen Berge der Schweiz zum Verein Bergwaldprojekt e.V.: Hierhin zieht es Viktoria Cvetković, die bei der AiF im internationalen Bereich CORNET der Industriellen Gemeinschaftsforschung tätig ist. „Die Mitglieder vom Bergwaldprojekt e.V. setzen sich unter anderem für den Erhalt und die Pflege des Waldes, insbesondere des Bergwaldes, ein. Darüber hinaus geht es auch darum, das Verständnis für die Zusammenhänge in der Natur und die Abhängigkeit des Menschen von diesen Lebensgrundlagen zu fördern“, erklärt Viktoria.

Lawinenverbauung

Lawinenverbauung im Bergwaldprojekt; Illustration: ©Victoria Cvetković

Sie war zuletzt Ende Juli 2020 im Rahmen des Bergwaldprojekts in Elm im Schweizer Kanton Glarus. „Zunächst sind wir zwei bis drei Stunden den Berg hoch gewandert; mit Zelt und Rucksack. Lifte gibt es hier nicht und die Wege sind steil. Aber die Mühe lohnt sich: Oben angekommen hört man keine Zivilisationsgeräusche, hat keinen Handyempfang und keine Eile.“ In einer Gruppe mit rund 16 anderen Freiwilligen hat sie sich eine Woche lang um den Schutzwald des weiter unten am Berg liegenden Dorfes gekümmert; hat Lawinengestelle repariert, Berghänge mit der Sense gemäht, Küchendienst geleistet. „Es geht darum, dass das Dorf sicher ist vor Steinschlag und Schnee“, ergänzt Viktoria. „Die Gemeinden können nicht alles selbst finanzieren; sie sind auf Spenden und ehrenamtliche Helfer:innen angewiesen.“ Über die freiwillige Arbeit sollen die Helfer:innen auch für die Wechselbeziehungen von Natur und menschengemachten Kulturlandschaften sensibilisiert werden, „unterstützt von Förster:innen und Einheimischen, die Verbindungen aufzeigen und erklären.“ Ein häufig genanntes Motiv der Ehrenamtlichen ist es, „etwas zurückgeben“ zu wollen. „Aber man nimmt auch viel mit: Zu sehen, was man geschafft hat, seine Selbstwirksamkeit zu erfahren – das tut gut.“ Auch kommt man der Antwort auf die Frage nach dem „Was brauche ich eigentlich?“ ein bisschen näher.  „Ganz klar: trockene Kleidung ist wichtig; mein Handy habe ich keinen Tag vermisst und Muskelkater vom Arbeiten fühlt sich ziemlich gut an“, lautet Viktorias Fazit. Beim Abstieg der Gedanke: Schade, dass es vorbei ist!

Zum Glück kann man wiederkommen (oder zum ersten Mal herkommen) – im Sommer 2020 war dies trotz der COVID-19-Pandemie möglich. Wie es im vor uns liegenden Sommer 2021 mit dem freiwilligen Dienst am Berghang ausschaut, ist noch nicht ganz klar. Wer sich darüber informieren möchte oder mehr zum Bergwaldprojekt erfahren will, sollte hier klicken: https://www.bergwaldprojekt.de/.

Der Eselpark Zons

„Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal eine persönliche Beziehung zu einem Hängebauchschwein aufbauen würde“, so Petra Mueser, Assistentin im Vereinsbüro der AiF. Boris und Carla, zwei Hängebauchschweine im Eselpark Zons in Dormagen, haben sie eines Besseren belehrt. Die beiden leben gemeinsam mit rund 18 Eseln, einigen Schafen, Ziegen und Laufenten auf dem Gnadenhof bei Köln.

Petra Mueser und Esel Carlos

Petra Mueser und Esel Carlos ©P. Mueser, privat

„Ich mochte Esel schon immer“, erklärt Petra. „Auf meinen Radtouren durch Frankreich bin ich vielen Eseln begegnet und war von ihnen ganz begeistert. Meine Familie hat mir dann vor ein paar Jahren zu Weihnachten eine Patenschaft für Carlos, einen katalanischen Riesenesel im Eselpark Zons, geschenkt.“ Seitdem kümmert sie sich nicht nur mit einer monatlichen Summe finanziell um Carlos´ Wohlergehen: Wann immer es die Zeit erlaubt, packt Petra auf dem Gnadenhof tatkräftig an. Das ist auch notwendig. Da die Betreiberfamilie Norff keinerlei städtische Hilfe erhält, könnte der Gnadenhof ohne Spenden und ehrenamtliche Unterstützung kaum existieren.

Einmal in der Woche mistet Petra Ställe aus, säubert Hufe, bürstet und pflegt das Fell der Esel und geht mit ihnen spazieren. Und schmust mit Carlos. „Esel sind sehr anhänglich – man kann auch einfach zum Kuscheln auf den Hof kommen“, lacht sie. Im letzten Jahr verbrachte sie eine ganze Urlaubswoche im Dienst der Tiere. „Eigentlich kam mir Corona zu Hilfe. Normalerweise verreise ich im Sommer. 2020 blieb ich jedoch zuhause und fuhr regelmäßig zu Carlos. Rückblickend war das eine der tollsten Wochen, die ich je hatte!“, schwärmt Petra. „Eine Wohltat für Körper und Seele: Sieben Tage lang konnte ich komplett abschalten und bin abends glücklich und erschöpft von der körperlichen Arbeit nach Hause geradelt.“

Die Norffs retten „ihre“ Tiere seit 2006 zumeist vor dem Schlachter, indem sie sie freikaufen. Mittlerweile ist Peter Norff für seinen Gnadenhof bekannt und erhält häufig Anrufe, wenn es um bedürftige Esel geht. „Manchmal kann ich gar nicht glauben, wer alles denkt, einen Esel im Garten halten zu können – und in der Realität daran scheitert. Der Schlachthof ist dann manchmal die letzte Station. Leider kann Herr Norff nicht alle Tiere retten“, beschreibt Petra die Situation.

Familie Norff und ihre Tiere freuen sich über Spenden und über tatkräftige Unterstützung. Aufgrund der COVID-19-Pandemie ist der Eselpark seit Oktober 2020 leider für Besucher und „neue“ Freiwillige geschlossen. Sobald die Infektionszahlen Besucher:innen zulassen, können Esel und Co. wieder beschmust und gepflegt werden. Eine finanzielle Unterstützung und die Übernahme von Patenschaften sind jederzeit möglich. Wer neugierig geworden ist und die Tiere zumindest digital kennenlernen oder mehr über den Gnadenhof erfahren möchte, wird hier fündig: https://www.eselpark-zons.de/.

Allen ehrenamtlichen, freiwilligen Helfer:innen innerhalb und außerhalb des AiF-Netzwerks und innerhalb des AiF e.V. und seiner Töchter sei an dieser Stelle für ihr Engagement herzlich gedankt!

Wir wünschen allen Leser:innen ein schönes Osterfest und freuen uns, wenn wir mit unserem Beitrag Lust auf ein Ehrenamt machen konnten.

Evelyn Bargs-Stahl

Blog-Beitrag Illustration: „Mähen beim Bergwaldprojekt“ ©Viktoria Cvetković

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